Dancer in the Dark

Widmung: Für das Gürteltier.

Er trat ein, ging schweigend auf mich zu und legte mir Handfesseln an. Ausserdem noch eine Leine um den Hals.
Einen Rohrstock klemmte er mir zwischen die Zähne.
Ich spürte seinen Blick auf mir, wusste, dass er das Bild einsog und genoss.

“Erste Position! En pointe.”, hörte ich seine Stimme meine Gedanken unterbrechen.
Ich drehte meine Beine auswärts und brachte sie in die gewünschte Position. Dann stellte ich mich auf meine Fussspitzen.
“Bleib so!”
Es war nicht einfach, die Position zu halten. Die Aufregung, die Spannung, die Erregung – all das schien mich aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Ich wankte und schliesslich gab ich auf.
“Nochmal!” Seine Stimme peitschte durch den Raum.
Erneut begab ich mich in die gewünschte Position.
“Deine Arme – fünfte Position.”
Ich atmete ein, hob meine Arme und brachte sie in die fünfte Position.

“Becken gerade.”, sagte er laut und deutlich.
Ich wankte erneut.
“Das reicht. Erste Position. Ports de bras in der ersten, zweiten und dritten.”
Ich atmete scharf ein.
Meine Füße schob ich in die erste Position. Dann hob ich die Arme. Erste Position, zweite, dritte – ich stellte mir vor, ich würde fliegen.
Ich beugte meinen Oberkörper nach vorne.
Er packte mich im Nacken, griff nach dem Rohrstock und zog ihn über meinen Hintern. Ich schrie auf.

“Nicht mit der Hüfte wegkippen.”, sagte er laut.
“Entschuldigung.”, jammerte ich. Meine Haut brannte.
“Nochmal.”
Und wieder ging es von vorne los. Ich beugte mich nach vorne, blieb im Becken und im Rücken gerade.
“Port de bras vor und zurück.”, erklärte er betonend und ich führte die Übung zuende, indem ich meinen Oberkörper nach hinten neigte.
Der Rohrstock traf mich erneut, einmal quer über den Bauch.
“Achte auf deine Hüften. Bleib gerade!”, schimpfte er unzufrieden.
Erneut begann ich die Übung, die Klaviermusik aus den Boxen begleitete mich. Ich zählte den Takt im Kopf mit. Als ich mich nach vorne beugte, bemerkte ich, dass ich zuckte, aus Angst, er könnte erneut zuschlagen.
Und wieder schlug er zu, immer wieder, bis er zufrieden war.

“Fünfte Position. Arme ebenfalls. En Pointe und halten.”, rief er.
Ich führte seine Befehle aus, monoton und gehorsam und weinend.
Ich stand sicher auf der Spitze meiner Schuhe, meine Arme hielt ich über den Kopf, formte ein Oval daraus.
Der Stock traf meine Finger.
“Nicht abspreizen.”
Sofort korrigierte ich.

Ich spürte den Stock an meinem Hals und versteifte.
“Kopf gerade. Spannung in den Nacken bringen.”
Ich atmete tief ein, korrigierte nach seinen Wünschen.
Dann schwieg er. Ging um mich, während ich merkte, wie anstrengend es war, diese Position zu halten unter seinen Blicken.
Er schob den Stock wieder zwischen meine Zähne.
Seine Hand berührte mich leicht im Rücken. Strich meine Wirbelsäule entlang, fasste an meinen Hintern, prüfte die Spannung darin.
Er glitt weiter über meine Oberschenkel, deren Muskeln sich weit hervor tat.
“Das reicht.”, flüsterte er und in seiner Stimme hörte ich, dass ihn die Situation sehr erregte.
Ich liess mich sinken, nahm die Arme langsam nach unten. Er war weiterhin bei mir. Ganz nahe stand er hinter mir. Seine Hand ruhte auf meinem Schenkel.

“Ich bin sehr unzufrieden mit dir.”, sagte er schließlich.
Erstaunt sah ich ihn an, wusste nicht, was ich falsch gemacht hatte.
Er ging zu einem Sideboard und nahm einen Schal in seine Hände.
Dann ging er um mich herum und legte mir den Schal um die Augen. Ich versank in der Dunkelheit.
Ich hörte, wie er einen Stuhl holte.
“Nimm Platz.”, sagte er und zog an mir.
Ich setzte mich, nahm gehorsam meine Hände auf den Rücken.

Er griff nach dem Rohrstock, nahm ihn und begann, mich damit zu schlagen. Immer wieder landete er auf meinen Oberschenkeln. Ich jammerte, weinte, schluchzte, bettelte darum, dass er aufhören möge.
Dann hörte er auf, gab mir meinen hölzernen Knebel wieder.
Seine Hand fand zwischen meine Beine, streichelte mich. Ich genoss ihn.
Plötzlich hörte er auf.
“Nein, das hast du nicht verdient.”, sagte er laut und deutlich.
Er drückte mir einen Kuss auf die Stirn und eine weile schwieg er. Die Musik wurde unerträglich. Mir war, als würde sie lauter, würde in den Vordergrund rücken. Ich fragte mich, was er erwartete. Ich wusste, dass er mit diesen Worten nicht nur mein Training meinte, sondern auch andere Dinge.

“Ich werde jetzt gehen.”, sagte er schliesslich, “du bleibst hier sitzen und wartest in der Dunkelheit und denkst darüber nach, wie du dich künftig bemühen möchtest. Hast du mich verstanden?”
Ich nickte und hörte, wie die Tür ins Schloss fiel.
Zurück blieb ich alleine, mit mir.
Ich wusste, er würde wieder kommen. Irgendwann.
Und solange ich warte, würde ich mit meinen Wünschen, Träumen und Gedanken tanzen. Alleine in der Dunkelheit.

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